Welcher Bewohner von Douai kennt nicht den Gayant? Hinter diesem Namen verbirgt sich die berühmteste Adelsfamilie des Departements Nord. Doch wer mehr darüber erfahren will, kommt am ersten Juli-Wochenende nach Douai, um den einzigen Ausgang der Gayants in ihrer guten Stadt zu erleben...
Die Familie ist nicht zu übersehen! Der Patriarch ist 8,50 m hoch und wiegt 370 kg, seine zarte Gattin, geborene Marie Cagenon, erreicht 6,25 m bei einem Gewicht von 250 kg! Drei Tage lang tanzt das Paar mit seinen drei Kindern, Jacquot, der ewige Jüngling, Fillon, seine blonde Schwester und Binbin, der Nachkömmling von 2,40 m und 45 kg, einen nicht enden wollenden Reigen, dem am Sonntag rund 80 000 Menschen folgen. Es ist einer der größten Umzüge in Frankreich.
Douai : géants et fêtes de Gayant par MonNuage
Der Gayant aus Weidengeflecht wurde 1530 von den Korbflechtern zu Ehren von Saint Maurand, dem Schutzpatron von Douai, geschaffen. Die beeindruckende Figur wird von sechs kräftigen Männern getragen, die vom « Chef de Lunette » (Brillenchef) geführt werden, der durch ein kleines Loch blicken kann. Der Riese ist eine Repräsention des Mutes von Jehan Gelon. Der Herrscher im Cantin-Gebiet befreite Douai im 9. Jahrundert während einer Belagerung der Normannen. Die Gattin von Jan wurde durch die Obstbauern gestaltet. Seit 190 Jahren sind die Kostüme der Figuren unverändert und haben ohne größere Schäden alle Revolten und Kriege überstanden. Heute erinnern sie eine ganze Stadt an deren Vergangenheit, die mit lokalen Legenden lebendig erhalten wird. Zum Beispiel muss jeder Bewohner, um ein echtes Kind der Gayants zu werden, Binbin küssen. Deshalb wird der Jüngste der Riesenfamilie beim Umzug bestürmt, um dieses Ritual auszuüben.
Die eigentlichen Helden sind jedoch die Träger. Sie bilden eine besondere Bruderschaft mit 53 Mitgliedern, alle in weiß gekleidet und einer strengen Regelung unterworfen. Die Funktion des Trägers wird vom Vater auf den Sohn vererbt, deshalb beschränkt sich die Bruderschaft auf ein halbes Dutzend Familien.
Diese tief verwurzelte Tradition der Riesen und das Fest in Douai wurden 2005 - genau wie die Riesen von Cassel - zum immateriellen Welterbe der UNESCO erklärt.